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Tesla Model 3 vs. Tesla Model S

Bildquelle: Tesla

Gebrauchtes Tesla Model S oder neues Model 3 kaufen?

Die Frage, ob man besser ein gebrauchtes Tesla Model S oder ein neues Model 3 kaufen sollte, wurde mir schön öfter gestellt. In diesem Beitrag schreibe ich über die Vor- und Nachteile beider Varianten, welche Aspekte man bei der Entscheidung berücksichtigen sollte und wie ich mich heute entschieden hätte, wenn ich vor dieser Wahl stünde.

Von den Kosten her sind sich beide Varianten je nachdem sehr ähnlich. Ich vermute, dass gerade deshalb viele Menschen, die eigentlich ein Model S wollen, die Variante mit einem gebrauchten Model S in Erwägung ziehen. Das Model 3 punktet im Vergleich dazu aber wieder mit modernerer Technik. Und die macht bei Elektroautos zurzeit so massive Fortschritte, dass ein paar Jahre doch schon einen richtigen Unterschied ausmachen können. Jetzt im Winter 2020 ist ein neues Model 3 LR (Long Range) ab ungefähr 54’520 EUR erhältlich. Hier ein Screenshot von der Tesla Webseite:

Tesla Model 3 Schwarz

Ein gebrauchtes Model S90D von 2016 kostet mit 59’831 Km als Gebrauchtwagen direkt von Tesla noch 55’800 EUR: 

Tssla Model S Schwarz

Als Beispiel werde ich diese beiden Fahrzeuge etwas genauer betrachten und die Details gegenüberzustellen. Werfen wir also einmal einen Blick auf einige bekannte und weniger bekannte Vor- und Nachteile des Model 3 gegenüber dem gebrauchten Model S:

Ein gebrauchtes Tesla Model S…

Vorteile

  • Der Platz. Das Model S bietet klar mehr Platz als das Model 3 und ist die ideale Reiselimousine. Der Kofferraum mit der großen Heckklappe ist im Vergleich zum Model 3 unschlagbar und wird erst mit dem Model Y ernsthafte Konkurrenz bekommen.
  • Zwei Bildschirme. Nur das Model S und das Model X bieten den Instrumentencluster hinter dem Lenkrad.
  • Konservativeres Innenraum Design. Der aufgeräumte Innenraum des Model 3 ist und bleibt Geschmacksache und gefällt nicht jedem (natürlich kann auch das Gegenteil der Fall sein)
  • Luftfederung. Diese Funktion ist im Model 3 nicht verfügbar. Achtung: Bei älteren Model S bietet die Luftfederung allerdings nur Höhenverstellbarkeit und keine Veränderung der Dämpfung.
  • Das Schiebedach war früher bis etwa Sommer 2017 optional verfügbar. Beim Model 3 ist es nicht erhältlich. Das Schiebedach hat aber auch Nachteile.
  • HEPA Filter. Dieser zusätzliche Filter ist für das Model 3 nicht verfügbar. Achtung beim Gebrauchtwagenkauf: Bei den ersten Facelift Model S Fahrzeugen von 2016 war er noch optional.
  • Breitere Sitze als beim Model 3 und größerer Innenraum.
  • Ältere Fahrzeuge bis ungefähr Juni 2017 haben noch Echtleder. (Ja ich weiß, es ist Geschmacksache)
  • Ältere Fahrzeuge verfügen über “Lifetime” kostenloses Supercharging (alle Model S und Model X, die VOR dem 15. Januar 2017 BESTELLT wurden und zwischenzeitlich als Gebrauchtwagen nicht im Besitz von Tesla gewesen sind).
  • Die Fahrgeräusche sind beim Model S klar besser gedämmt als beim Model 3, weil es sich einfach auch um das hochwertigere Fahrzeug handelt. Man darf nicht vergessen, dass das Model S je nach Ausstattung neu bis zu doppelt so viel kostete wie das Model 3.

Nachteile

  • Das Design ist nicht mehr ganz aktuell und stammt aus dem Jahr 2012. Ich persönlich finde aber, dass das Model S ein zeitloses Design hat.
  • Die Batterie Technologie des Model S basiert noch auf dem älteren 18650 Zelltyp. Dadurch resultiert auch der folgende Punkt:
  • Langsamere Schnellladefähigkeit. Bedingt durch den älteren Akkuzelltyp laden ältere Model S auch bei idealen Bedingungen nur bei maximal etwa 98 bis 150 kW. Nur ganz neue Model S ca. 2020 laden schneller. Achtung auch wegen der DC Reduktion.
  • Die vier Jahre Werksgarantie dürften bei einem preislich vergleichbaren Model S bereits abgelaufen sein oder sind kurz davor. Die Garantie auf Akku und Antriebsstrang sollte mit 8 Jahren hingegen noch aktiv sein.
  • Die Pre-Raven Model S verfügen gegenüber allen Model 3  noch über die alten Motoren. Der Nachteil ist weniger Effizienz und kein One-Pedal Driving (Rekuperation bis zum Stillstand).
  • Der Kilometerstand. Ein älterer Gebrauchtwagen hat natürlich im Vergleich zum Neuwagen eine gewisse Laufleistung. Dies relativiert sich beim Elektroauto allerdings zu einem gewissen Grad, da man von einer sehr hohen Langlebigkeit der Motoren ausgehen darf.
  • Der Infotainment Computer (MCU) ist in älteren Fahrzeugen noch die Version MCU1, sofern der Vorbesitzer kein MCU Upgrade gekauft hat. Nachteile: langsame Bedienung und fehlende Funktionen im Vergleich zur neueren MCU2.
  • Die verbaute Autopilot-Hardware ist in älteren Model S noch AP1, AP2 oder AP2.5. Erst ab März 2019 wurde in Model S die AP3 Hardware für vollautonomes Fahren verbaut. Ein Upgrade ist möglich, erfordert aber den Kauf von FSD, sofern das Fahrzeug nicht bereits über diese Option verfügt.
  • Die Rücksitze sind nicht in allen Model S beheizt. Diese war bis etwa Herbst 2017 ein optionales Winterpaket. Im Vergleich zum Model 3 SR+ kann die Sitzheizung beim Model S auch nicht nachträglich dazugekauft werden.
  • Der weitverbreitete CCS Ladestecker ist für ältere Model S optional und nur gegen Aufpreis erhältlich.
  • Keine offizielle Anhängerkupplung von Tesla verfügbar. Man kann allerdings mittlerweile auch von Drittherstellern wie MisterDotCom eine Anhängerkupplung nachrüsten. Daher ist es nicht mehr wirklich ein Nachteil.

 

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…oder ein neues Model 3

Vorteile

  • Moderneres Design (was aber schlussendlich auch Geschmacksache ist.)
  • Bessere Schnellladefähigkeit. Durch den moderneren 2170-Akkuzelltyp lädt das Model 3 LR an Ionity Ladestationen und Supercharger V3 mit bis zu 250 kW (je nach situationsbedingten Faktoren wie zum Beispiel der Akkutemperatur).
  • CCS Ladestecker ist Standard.
  • Die aktuelle Generation des Autopilot-Computers für autonomes Fahren ist verbaut (AP3). Um die Funktionen zu nutzen ist aber auch hier die FSD Option notwendig.
  • Der Infotainment Computer (MCU) ist mit der MCU2 auf dem aktuellsten Stand und bietet alle Funktionen an (Wächtermodus, YouTube, Netflix, alle Spiele).
  • Null Kilometer Laufleistung eines Neuwagens und maximale Garantie.
  • Permanentmagnet-Synchron-Reluktanz-Elektromotoren bieten eine höhere Effizienz und dadurch mehr Reichweite. Außerdem ist Rekuperation bis zum Stillstand möglich.
  • Neue Model 3 ab Ende 2020 verfügen über eine Wärmepumpe, was den durch die Innenraumheizung bedingten Reichweitenverlust im Winter vermindert.
  • Auch mit Anhängerkupplung ab Werk verfügbar.
  • Die Laufzeit der Werksgarantie ist länger.

Nachteile

  • Homelink (Garagentor Steuerung) kostet extra (etwa 300 EUR). Beim Model S war diese Funktion standardmäßig bis 31.5.2019 dabei.
  • Die Öffnung des Kofferraums ist durch die typische “Trunk” Form nicht sehr groß.
  • Nur ein Bildschirm mittig. Das ist schlussendlich Geschmacksache und Gewohnheit.
  • Keine Option für Luftfederung.
  • Keine Option für Schiebedach.
  • Keine Option für beheiztes Lenkrad. (laut Gerüchten könnte das aber für die neuen Model 3 kommen)
  • Schmalere Sitze als beim Model S.
  • Kein Echtleder. (Auch dieser Punkt ist natürlich Geschmacksache. Das Kunstleder ist aber sehr gut).
  • Weniger Platz auf den Rücksitzen. Generell ist der Innenraum beim Model 3 etwas kleiner als beim Model S.
  • Die Fahrgeräusche sind beim Model 3 in der Regel etwas lauter als beim Model S. Natürlich hängt das auch von verschiedenen Faktoren wie Felgengröße, Reifentyp, usw. ab. Aber grundsätzlich ist das Model S hochpreisiger und einfach auch wertiger gebaut als das Model 3. Man sieht das zum Beispiel auch relativ gut am Alcantara Dachhimmel im Model S. Model 3 ist hingegen nur ein normaler Stoff verbaut.

 


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Weitere Eigenschaften beider Fahrzeuge

  • Elektrische Heckklappe (sie ist beim neuen Model 3 ab Herbst 2020 auch standardmäßig dabei.)
  • Die Reichweite kann unterschiedlich sein. Je nachdem mit welchem Model S man das neue Model 3 vergleicht. Früher war die Akkukapazität Bestandteil der Modellbezeichnung (zum Beispiel: Model S90D = 90 kWh, Model S75D = 75 kWh). Eine Übersicht der Reichweiten. (in Km am Ende der Tabelle)
  • Konnektivität. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens direkt von Tesla ist Premiumkonnektivität auch bei älteren Fahrzeugen nicht enthalten. Fahrzeuge, deren ursprüngliche Bestellung vor dem 30. Juni 2018 stattgefunden hat verfügen aber beim Privatverkauf über Premiumkonnektivität auf die gesamte Lebensdauer des Fahrzeuges. Diese bleibt auch beim Privatverkauf erhalten. (Vor dem Kauf sollte man sicherheitshalber in den Fahrzeugeinstellungen unter “Software” überprüfen, ob das Fahrzeug wirklich Premiumkonnektivität hat. Diese wird entfernt, wenn der Gebrauchtwagen zwischenzeitlich im Besitz von Tesla war.)
  • Autopilot. Der aktuelle, im Basismodell enthaltene Autopilot ohne FSD, entspricht ungefähr dem Funktionsumfang des früheren Autopiloten mit EAP. Lediglich der automatische Spurwechsel ist ein Vorteil des EAP. Übersicht mit einem Vergleich.
  • Volles Potenzial für autonomes Fahren (FSD). Ältere Model S ab Oktober 2016 unterschieden sich nicht bezüglich FSD zu einem  aktuellen Model 3, da mit dem Kauf von FSD der Autopilot Computer des Model S auf die AP3 Version aufgerüstet wird.

 

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Wer die Wahl hat, hat die Qual

Auch die persönlichen Umstände, genauer gesagt “der eigene Lifestyle”, kann die Entscheidung weiter beeinflussen. Unbestritten ist das Model 3 zum Beispiel für eine Familie nicht wirklich so gut geeignet wie das Model S (noch besser wäre hier sogar das Model X). Aber natürlich ist bei den meisten Menschen das Budget auch ein sehr wichtiger Punkt. Eine weitere Alternative den Preis noch weiter zu reduzieren wäre natürlich der Kauf eines noch älteren Model S. Aber der Faktor “modernere Technik” verliert dadurch natürlich auch immer mehr an Attraktivität. Bei den Software-Updates kommen zum Beispiel für den alten Autopiloten AP1 keine neuen Funktionen mehr dazu. Für Fans von Technik, Autopilot, usw. bleibt hier also klar nur das Model 3 oder ein Model S, das mit FSD aufrüstbar ist.

Grundsätzlich werden bei Tesla alle Fahrzeugmodelle ständig weiterentwickelt. Es gibt also auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Model S. Beim gebrauchten Model S sollte man sich daher gut informieren, was man kauft, denn Model S ist nicht gleich Model S. In meinem Beitrag über Ausstattungsunterschiede sind einige der Hauptunterschiede erläutert. Dazu hier auch noch den Beitrag zu den Unterschieden in der Ausstattung beim Model 3.

Wenn man sich für ein gebrauchtes Model S entscheidet, sollte man auch den Privatkauf in Betracht ziehen. Fahrzeuge von privaten Verkäufern sind meistens günstiger und verfügen im Vergleich zu den Gebrauchten von Tesla oft auch über FSD oder EAP. Auch lebenslange Premiumkonnektivität kann beim Privatkauf enthalten sein. Wer trotzdem bei Tesla nach einem Gebrauchten suchen möchte, kann je nachdem auch im Ausland fündig werden. Es kann finanziell sehr interessant sein ein Fahrzeug aus den Niederlanden nach Deutschland zu importieren (für Schweizer wegen dem Zoll leider nicht interessant). Das Tesla CPO Inventar ist bei dieser Suche hilfreich.

Mein Fazit

Ich persönlich würde die Schnellladefähigkeit nicht überbewerten. Mit meinem Model S75D reise ich sehr gerne auch Langstrecke und lade am Supercharger in der Regel mit 95 – 110 kWh, wenn ich mit rund 10 bis 20 % Akkustand ankomme. Ich finde das absolut in Ordnung und mich stört die 30-minütige Pause alle 2 bis 2.5 Stunden überhaupt nicht (Achtung beim Kauf eines 85er Model S und der Leistungsreduktion beim Schnellladen). Natürlich würde man mit einer neueren Akkuzellengeneration mehr herausholen aber als notwendig empfinde ich das im Vergleich zum Model S 75, 90 oder 100 kWh Akku nicht. Viel wichtiger ist mir da die Heckklappe und der große Kofferraum meines Model S. Als Alternative dafür sehe ich bei Tesla nur das Model Y, weil mir der Kofferraum vom Model 3 einfach nicht praktisch genug ist. Und zum aktuellen Zeitpunkt würde ich persönlich genau das machen und auf das Model Y warten.

Wer sich noch weiter mit den Vor- und Nachteilen des neuen Model 3 oder dem gebrauchten Model S auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich dieses Video von “Doc Tesla” Ove Kröger:


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