Warum hat mein Tesla im Winter einen höheren Verbrauch?
Bildquelle: Tesla

Warum hat mein Tesla im Winter einen höheren Verbrauch?

Wer sich im Frühling einen Tesla kauft, wird mit dem ersten Winter über den Verbrauch erstaunt sein. Hat man sich doch je nach Fahrzeug Modell und Fahrstil an einen tollen Verbrauch zwischen 13 und 18 kWh pro 100 km gewöhnt. Wenn es langsam kälter wird, beginnt der Verbrauch aber doch etwas zu steigen. Im Winter kann das bei Minustemperaturen auch mal gut 20-30 % mehr auf der Trip Anzeige ausmachen. Aber woher kommt dieser große Unterschied und warum ist er im Vergleich zum Verbrennungsmotor so markant?

Höherer Verbrauch = weniger Reichweite

Der Mehrverbrauch sorgt natürlich auch für weniger Reichweite und die Ursache dafür ist die Summe von verschiedenen Faktoren:

  • Die Heizung kostet richtig Strom. Elektroautos heizen mit Strom aus dem Akku. Dieser Vorgang ist im Vergleich zur Klimaanlage im Sommer relativ energiehungrig. Während die Kühlung im Sommer nur ungefähr 1-2 kW zusätzlich ausmacht, fällt die Heizung vor allem bei einem kalten Fahrzeug zu Beginn mit bis zu 6-7 kW stärker ins Gewicht. Sobald das Fahrzeug aufgewärmt wurde, bleibt aber auch der Mehrverbrauch durch die Heizung bei etwa 1-2 kW konstant.
  • Winterreifen und Schneematsch treiben durch den höheren Rollwiderstand den Verbrauch des Tesla ebenfalls in die Höhe.
  • Der Innenwiderstand des Akkus steigt mit zunehmender Kälte. Bei großer Kälte steht dadurch eine kleine Menge, der in der Batterie gespeicherten Energie nicht zur Verfügung, bis die Batterie aufgewärmt wurde. Im Auto und auf der Mobiltelefonapp wird das durch ein Schneeflockensymbol und als blauer Balken in der Batterieanzeige dargestellt. Sobald sich die Batterie erwärmt hat, verschwindet die Anzeige und die Energie steht wieder zur Verfügung. Dies ist also nur ein vorübergehender Effekt und fällt auf Langstrecke nicht ins Gewicht.
  • Kalte Luft hat einen höheren Luftwiderstand.

Bei meinem Benziner/Diesel fällt mir das aber gar nicht auf

Die Physik verhält sich bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor genau gleich. Der Verbrenner hat lediglich den Vorteil, dass die Heizung größtenteils durch die Abwärme des Motors gespeist wird. Diese Wärme entsteht im Sommer genauso wie im Winter und verursacht zu einem großen Teil die Ineffizienz eines Verbrennungsmotors. Die Energie, die während der meisten Zeit des Jahres sinnlos verpufft, kann immerhin im Winter zu einem kleinen Teil genutzt werden. Wäre der Verbrennungsmotor aber nicht so ineffizient, würde man den Mehrverbrauch im Winter genauso stark bemerken wie beim Elektroauto.

Was Rollwiderstand und Luftwiderstand angeht, ist ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor im Winter genau gleich von einem Mehrverbrauch betroffen wie ein Elektroauto. In der Regel fällt das beim Tanken aber nicht groß auf. Ein großes SUV-Fahrzeug mit 7 Litern Verbrauch auf 100 km verschwendet bereits soviel Energie, dass der Mehrverbrauch im Winter nicht mehr groß auffällt. Zum Vergleich: ein Tesla Model S mit 2.3 Tonnen verbraucht das Energie Äquivalent von etwa 2.1l Treibstoff auf 100 km. (Details)

Wer sich überlegt einen Tesla zu kaufen und trotzdem unsicher ist, was die Reichweite im Winter angeht, kann mit dem Tool Abetterroutplanner ganz einfach ein paar Beispielstrecken für sein Wunschfahrzeug berechnen. Unter „show more Settings“ lassen sich Außentemperatur, Radgröße und Witterungsbedingungen in der Routenberechnung einplanen.

Muss ich mir Sorgen machen, dass mir im Stau der Strom ausgeht?

Vielleicht kennen Sie das folgende Foto, das oft über WhatsApp oder auf Facebook geteilt wird.

Elektroauto im Winter Stau
Elektroauto im Winter Stau. Was ist da dran?

Das Bild ist irreführend und dient nur als Propaganda gegen Elektromobilität. Wer sowas publiziert hat, hat vermutlich keinerlei Erfahrung mit Elektromobilität, beziehungsweise ist noch nie Elektroauto gefahren. Ich zeige Ihnen hier ein Beispiel, wie sich das in Realität verhält. Ein Tesla Model 3 Fahrer hat auf Facebook sehr schön zusammengefasst welche Erfahrungen er im Stau gemacht hat. Vermutlich würde man im Tesla eher verdursten als erfrieren…

Tesla Winter Stau. So sieht die Realität aus.
Tesla im Winter Stau. So sieht die Realität aus.

Wer sich für noch detailliertere Zahlen interessiert, findet in diesem Beitrag von Impala64 sehr interessante Messwerte.

Tipps um die Reichweite zu verbessern

Wie bereits erwähnt, macht die Heizung den großen Unterschied für den Mehrverbrauch im Winter aus. Mit den folgenden Tipps lässt sich die Reichweite aber trotzdem etwas verbessern:

  • Den Akku und das Fahrzeug bereits vor der Abfahrt vorwärmen, solange das Auto noch am Strom hängt. Dies bringt mit Abstand am meisten Reichweite im Winter, denn das Aufheizen des Akkus und des Fahrgastraums zu Beginn ist für den grössten Verlust an Reichweite verantwortlich. Wird diese Energie direkt von Stromnetz und nicht aus dem Akku entnommen, sorgt dies für mehr Kilometer. Auf Langstrecke ist der Mehrverbrauch eines Tesla auch bei Minusgraden mit Vorwärmen nur etwa 10 % höher als im Sommer. Die neue Funktion „geplante Abfahrtszeit“ aus Software Version v10.1 erleichtert das Vorheizen zusätzlich.
  • Die Sitzheizung stärker verwenden und dafür den Fahrgastraum etwas weniger stark heizen. Die Sitzheizung ist viel effizienter als die Gebläseheizung. Dies spart Energie, was sich vor allem auf Kurzstrecken sehr stark positiv bemerkbar macht.
  • Die Heizung auf „manuell“ und nicht „automatisch“ einstellen. Die folgenden Einstellungen haben sich bei mir im Model S am meisten bewährt: 24 Grad (die effektive Innenraumtemperatur liegt beim MS/MX im Winter meistens etwa zwei Grad unter der eingestellten Temperatur), Luftstrom auf Oben/Mitte/Unten eingeschaltet. Lüfter auf Stufe 3.
  • Öftere Fahrtunterbrechungen mit Auskühlen und anschließendem Aufheizen des Akkus kosten Kilometer. Beim Model S und Model X kann durch Aktivieren des „Reichweiten Modus“ verhindert werden, dass auf Kurzstrecke der Akku geheizt wird. Leider gibt es diese Option beim Model 3 nicht.
  • Den Reifendruck leicht erhöhen. Dies verbessert den Rollwiderstand und senkt auch den Verbrauch eines Tesla.

Fazit

Sowohl Model S und X als auch das Model 3 haben ihren Temperatur-Breakevenpunkt bei 10 Grad Außentemperatur. Darunter ist Winterbetrieb und der Verbrauch steigt mit jedem Grad. Oberhalb von 10 Grad fällt er deutlich geringer aus. Kurzstrecken bei niedrigen Temperaturen sind allerdings nicht repräsentativ, da immer während zirka 10 – 15 Minuten die Batterieheizung mitläuft. Wer sehr viel Kurzstrecke fährt und dazwischen immer wieder 30 Minuten seinen Tesla parkt, hat die schlechtesten Voraussetzungen für den Verbrauch im Winter. Das Akku beim Fahren aufheizen und auskühlen während den Standzeiten verheizt sinnlos Energie. Leider lässt sich die Batterieheizung während der Fahrt beim Model 3 nicht verhindern, da es keinen Reichweitenmodus in den Einstellungen gibt.

Weitere Tipps zum Batterie vorheizen und der Reichweite im Winter und die Winter-Tipps auf der Tesla Webseite.

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