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Tesla Brand Statistik

Bildquelle: Gladwyne Volunteer Fire Company

So oft brennen Teslas: Die Tesla Brand Statistik

In Medien und sozialen Netzwerken wird regelmäßig auf die Brandgefahr von Elektroautos aufmerksam gemacht. Insbesondere Fotos und Videos von brennenden Teslas werden besonders oft geteilt und verbreitet. Sind dramatische Brände in dieser Form nur Einzelfälle oder treten sie wirklich häufiger auf? Und wie hoch ist die Anzahl Fahrzeugbrände im Vergleich zu Benzinern und Dieselfahrzeugen? Die Tesla Brand Statistik zeigt die Fakten auf.

 
 

Bilder und Videos von brennenden Teslas verunsichern viele Kaufinteressenten und zeitweise wurde durch die Medien ein so negativer Eindruck geschaffen, dass einige Städte und Gemeinden sogar das Parken in öffentlichen Parkhäusern für Elektroautos verboten haben.

Am bekanntesten ist wohl der Fall aus Kulmbach in Bayern. 200’000 € Schaden und eine monatelange Sanierung war das Ergebnis eines Parkhaus-Brandes im Herbst 2020. Aus brandschutzrechtlichen Gründen wurde danach die Zufahrt für Elektroautos und Hybride untersagt. Pikantes Detail: die eigentliche Brandursache war ein alter VW Golf mit Verbrennungsmotor.

Es scheint also nicht alles so zu sein, wie es viele Medien darstellen. Aber auch bei den Brandstatistiken von Elektroautos sollte man etwas genauer hinschauen. Dazu gleich mehr.

Brandursachen

Bei Autos mit Diesel- oder Benzinmotor geht die Brandursache häufig von ausgetretenem Kraftstoff oder den heißen Oberflächen des Abgassystems aus. Bei einem Tesla sind diese Dinge natürlich kein Problem, da es sie nicht gibt. Aber auch beschädigte Batteriezellen oder ein defektes Batteriemanagementsystem können die Ursache von Bränden sein.

Grundsätzlich gibt es bei Elektroautos drei Brandursachen.

Unfälle

Kommt es in der Batterie eines Elektroautos zu einem Kurzschluss in Folge einer mechanischen Beschädigung, können die darin enthaltenen chemischen Substanzen in Brand geraten. Je nach Schweregrad der Beschädigung kann es dabei auch zu explosionsartigen Bränden kommen, die für die Feuerwehr schwer zu löschen sind.

Um das so gut wie möglich zu vermeiden, befindet sich die Batterie bei den meisten Elektroautos im Fahrzeugboden, wo sie durch die Knautschzonen gut gegen einen Crash geschützt ist. Außerdem verwenden die Hersteller in der Regel einen hochfesten Stahlmantel, um zum Beispiel auch gegen Steinschläge von unten zu schützen. In Extremfällen kann es bei sehr starken Unfällen aber trotzdem zur Beschädigung einzelner Zellen kommen und dadurch allfällig auch zum Brand.

Extreme Hitze oder Kälte

Damit eine Batterie sicher arbeiten kann, muss sie in einem bestimmten Temperaturbereich gehalten werden. Um das zu gewährleisten, wird in Elektroautos ein aufwendiges Kühl- und Heizsystem verbaut. Trotzdem kann natürlich die Hitze eines Fahrzeugbrandes einen sogenannten „Thermal Runaway“ auslösen, der eine Kettenreaktion in Gang setzt.

Aufgrund zu hoher Temperaturen werden die Zellen über Selbstentzündung in Brand gesetzt. Übersteigt die Temperatur eine bestimmte Schwelle, lassen chemische Reaktionen in den Batteriezellen wiederum die Temperatur weiter steigen. Die sich dabei bildenden Gase können explosionsartige Brände verursachen, die dann durch die Feuerwehr schwer zu löschen sind.

Um das zu verhindern, kommt bei Elektroautos eine besonders aufwendige Batteriemangement-Software (BMS) zum Einsatz. Die Software steuert auch Batterieheizung und -Kühlung automatisch. Natürlich kann dieses System auch ausfallen oder durch einen besonders schweren Unfall zerstört werden.

Einen besonderen Vorteil haben die LFP-Akkus. Sie sind extrem temperaturbeständig und gerieten in Tests auch bei 700°C nicht in Brand.

Überladen der Batterie

Theoretisch kann sich eine Lithium-Ionen-Batteriezelle entzünden, wenn sie überladen wird. Jede Zelle ist für eine bestimmte Menge elektrischer Energie ausgelegt. Wird eine Zelle elektrisch überladen, erhitzt sie sich stark, was zu einem Brand führen kann.

Die in Elektroautos eingesetzten Zellen haben allerdings eine hohe Sicherheitsmarge. So überhitzt zum Beispiel eine Batterie vom Typ NMC/NCA, wie er beim Tesla Model S und X zum Einsatz kommt, erst bei etwa 135% Überladung. Der LFP-Akku ist aber auch hier erneut deutlich besser und lässt sich durch Überladen nicht in Brand setzen. (Unterschiede von NMC/NCA und LFP Akkus.)

Brände durch Überladung werden ebenfalls von der Batteriemangement-Software verhindert. Die Grenzen der Zellen werden dabei nie voll ausgereizt. Die Software steuert das zu jeder Zeit automatisch. Theoretisch kann das Batteriemanagement natürlich ausfallen. Das ist allerdings bei den bisher bekannten Bränden eines Tesla nie als Ursache nachgewiesen worden.

 

 

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Brennt ein Tesla wirklich häufiger als ein Diesel oder Benziner?

Verschiedene Statistiken zeigen, dass Elektroautos viel seltener brennen als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Aber auch hier sind die Zahlen teilweise nicht korrekt.

In einem Bericht behauptet das amerikanische Versicherungsportal AutoInsuranceEZ, dass ein Elektroauto ein 61-mal geringeres Brandrisiko gegenüber einem Verbrenner habe und es gegenüber einem Hybrid mit einem 138-mal niedrigeren Risiko sogar noch besser abschneidet. Allerdings wurde der in dieser „Studie“ genannte Bericht von einem norwegischen Klimawissenschaftler schon wenige Stunden nach der Veröffentlichung als falsch ausgewertet widerlegt.

Wie sieht es also wirklich aus? Tesla hat bisher die folgenden, wenn auch nicht sehr genauen Daten, über Fahrzeugbrände veröffentlicht.

Im Zeitraum von 2012 bis 2020 ereignete sich etwa ein Tesla-Fahrzeugbrand pro 330 Millionen zurückgelegter Kilometer. Im Vergleich dazu zeigen die Daten der National Fire Protection Association (NFPA) und des US-Verkehrsministeriums, dass in den Vereinigten Staaten alle 30.5 Millionen zurückgelegten Kilometer ein Fahrzeugbrand auftritt.

Um einen angemessenen Vergleich mit den NFPA-Daten zu ermöglichen, enthält der Datensatz von Tesla auch Fälle von Fahrzeugbränden, die durch Gebäudebrände, Brandstiftung und andere Dinge verursacht wurden, die nichts mit dem Fahrzeug zu tun haben und die einen Teil der Tesla-Fahrzeugbrände in diesem Zeitraum ausmachen. Quelle.

Da es in den frühen Jahren dieser Zeitspanne noch sehr wenig Teslas gab, sind vermutlich auch diese Werte mit einer großen statistischen Ungenauigkeit zu betrachten. Wenn man lediglich die früheren Zeiträume betrachtet, sind es etwas schlechtere Werte:

2012 bis 2018 = ein Brand pro 273.5 Millionen zurückgelegter Kilometer.

2012 bis 2019 = ein Brand pro 281.6 Millionen zurückgelegter Kilometer.

Man könnte jetzt interpretieren, dass die alten Model S und X doch etwas häufiger brannten. Aber wie gesagt: Die Datenbasis ist eigentlich zu gering und die effektive Anzahl Brände hat Tesla nicht kommuniziert. Außerdem sind in der Statistik auch Brände enthalten, bei denen nicht das Tesla Fahrzeug die Ursache für den Brand war. Brände, die effektiv vom Fahrzeug selbst ausgingen, kamen also noch viel seltener vor.

Tesla Plaid Brand

Brennendes Tesla Model S Plaid im Juni 2021 – Bildquelle: Gladwyne Volunteer Fire Company

Die Tesla Brand Statistik im Vergleich zum Verbrenner

Lassen sich diese Daten aus USA auch nach Europa übertragen? Machen wir doch ein kleines Rechenbeispiel:

Laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ereignen sich in Deutschland jedes Jahr rund 40.000 Fahrzeugbrände. Diese Zahl schließt aber auch kleinere Schmorschäden ein. Werden diese ausgeklammert, brennen pro Jahr in Deutschland etwa total 15.000 Kraftfahrzeuge (Ich gehe davon aus, dass es sich hier um Brände aller Fahrzeugtypen handelt, und nicht nur PKW’s.)

Laut Statista betrug die Fahrleistung der PKWs in Deutschland im ganzen Jahr 2019 rund 645 Milliarden Kilometer. Teilt man diese durch die 15.000 „grösseren“ Fahrzeugbrände aus der GDV Statistik, erhält man etwa einen Brand pro 43 Millionen Kilometer für sämtliche PKW’s in Deutschland. Das deckt sich also sogar in etwa mit dem einen Brand pro 30.5 Millionen Kilometer aus der USA-Statistik.

Selbst wenn die Werte von Tesla mit einem Brand pro 270 bis 330 Millionen Kilometer sehr ungenau sind, deuten diese Zahlen darauf hin, dass ein Elektroauto doch deutlich seltener brennt, als ein Verbrenner.

Gibt es die spontane Selbstentzündung beim Tesla?

Durch einen Fertigungsfehler kann es tatsächlich zu einer spontanen Selbstentzündung beim Tesla kommen. Eine unsauber produzierte Batteriezelle könnte einen Kurzschluss verursachen. Den gleichen Effekt hätten Metallspäne, die bei der Produktion in das Innere der Zelle gelangt sind.

Aber durch sehr hohe Qualitätsstandards und Tests in der Batterieproduktion sind diese Brände heutzutage praktisch auszuschließen. Auch die Batteriemanagementsoftware hilft hier mit, indem sie defekte Zellen rechtzeitig erkennt und darauf reagiert.

Immer wieder liest man aber trotzdem von Teslas, die sich selbst ohne Fremdeinwirkung entzünden. Auch wenn sie offenbar extrem selten sind, gibt es diese Fälle. In etlichen Medienberichten wird dafür diese Brand Statistik des amerikanischen Highway Loss Data Institute zitiert, in der Tesla auch aufgelistet ist.

Der Bericht vergleicht die Fahrzeugmodelle verschiedener Hersteller, die zwischen 2016 und 2018 in den USA in Brand geraten sind. Ausgenommen davon sind Brände durch Kollision oder Vandalismus.

Für Tesla wurden darin folgende Angaben publiziert:

10 Fälle von insgesamt 35’876 Bränden beim Model X
10 Fälle von insgesamt 43’141 Bränden beim Model S
(Model 3 und Y gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht)

Tatsächlich sind diese Werte gegenüber Verbrennerfahrzeugen anderer Marken in der jeweiligen Fahrzeugklasse leicht erhöht. Damit kein falscher Eindruck entsteht: auch beim Model 3 und Y ist man vor einer spontanen Selbstentzündung nicht hundert Prozent sicher. Auf diesen Fotos sieht man, was mit einem Model 3 beim Laden passiert ist.

Da dies aber generell sehr seltene Ereignisse sind, ist die Aussagekraft solcher Statistiken wegen der geringen Anzahl Brände nicht besonders gut.

Elektroautos brennen lange

Tatsache ist, dass Elektroautos die Rettungskräfte vor neue Herausforderungen stellen. Beim Brand einer Batterie ist vor allem eine gute Kühlung durch die Feuerwehr notwendig, damit der Brand keinen Thermal Runaway in Gang setzt.

Deshalb werden Elektroautobrände mit Wasser und nicht mit Schaum gelöscht. Auch Stunden später kann sich ein ausgebranntes Fahrzeugwrack erneut entzünden. Das sind aber keine Herausforderungen, mit denen die Feuerwehr nicht umgehen kann. Außerdem werden auch laufend neue Methoden der Brandbekämpfung von Elektroautos entwickelt.


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Fazit zur Tesla Brand Statistik

Experten sind sich mittlerweile einig, dass von einem Elektroauto keine höhere Brandgefahr ausgeht als von einem Fahrzeug mit konventionellem Benzin- oder Verbrennungsmotor. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Auch wenn die Datenlage für die Statistiken noch relativ dünn ist, zeigt sich die Tendenz, dass Elektroautos seltener brennen als Verbrenner. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hält deshalb auch die Parkverbote für Elektroautos in Tiefgaragen für unberechtigt.

 

 

 

 

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