Tesla Verkehrszeichenerkennung
Bildquelle: Tesla

Tesla Verkehrszeichenerkennung

  • Autopilot / Wissen
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Wann bringt Tesla die Verkehrszeichenerkennung endlich als Softwareupdate? Viele Teslafahrer wünschen sich diese Funktion schon seit langem. Wird doch immer wieder angeführt, dass die Konkurrenz hier Tesla weit voraus ist. Dieser Artikel sammelt die Fakten und was bisher über dieses Thema bekannt ist.

Welche Tesla Modelle bieten Verkehrszeichenerkennung?

Zurzeit können nur die Fahrzeuge mit Autopilot 1 Hardware (AP1) die Verkehrszeichenerkennung über die Frontkamera lesen. Sie zeigen die korrekte Geschwindigkeit im Display an, bremsen aber nur auf Landstrassen ohne baulich getrennte Richtungsfahrbahnen automatisch ab. Auf Autobahnen wird die von Schildern gelesene Geschwindigkeit im Display nur angezeigt und NICHT automatisch reduziert. (Quelle: TFF-Forum). Natürlich kann die angezeigte Geschwindigkeit manuell durch langes Ziehen am Autopilot Hebel übernommen werden.

Seit einigen Softwareversionen werden die Schilder von AP1-Fahrzeugen zwar noch per Kamera erkannt und im Display hinter dem Lenkrad angezeigt, aber wenn man diese angezeigte Geschwindigkeit übernehmen will, verwendet der Autopilot die im Kartenmaterial hinterlegte Geschwindigkeit. Wenn also zum Beispiel in Deutschland in einer Autobahnbaustelle die Geschwindigkeit 80 km/h erkannt und angezeigt wird, beschleunigt das Fahrzeug nach einem langen Zug am Autopilot-Hebel auf 150 km/h, weil in den Navigationskarten keine Geschwindigkeitsbegrenzung eingetragen ist. Ein Fehler, der eigentlich nicht vorkommen sollte.

Autopilot 1 ist auch nur für ältere Model S und Model X verfügbar (Fahrzeuge mit Produktionsdatum bis Oktober 2016). Der Autopilot 1 wurde von der Firma MobilEye entwickelt und von Tesla ab Oktober 2014 in den Fahrzeugen verbaut. Im Sommer 2016 kam es zu einem Streit zwischen Tesla und MobilEye, woraufhin die Partnerschaft beendet wurde.

Warum bietet der AP2 (und höher) keine Verkehrszeichenerkennung?

Tesla hat nach der Trennung der Partnerschaft im Oktober 2016 damit begonnen die Autopilot 2 Hardware von Nvidia in den Fahrzeugen zu verbauen. Die Autopilot-Software für dieses System begann Tesla selbst zu entwickeln. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist der AP2 und seine Nachfolger AP2.5 und AP3 mittlerweile in vielen Funktionen besser als der AP1. Für diese drei Hardware-Plattformen wird die gleiche Software verwendet und bis auf die Verkehrsleitkegel gibt es bisher keinen funktionalen Unterschied beim Autopiloten.

Tesla erkennt Pylone
Verkehrsleitkegel Visualisierung (nur mit AP3) –  Bildquelle: Facebook Gruppe „TESLA Fans Schweiz“

 

Zu Bedenken ist allerdings, dass neuere Fahrzeuge ab Frühjahr 2019 nur noch mit der FSD Option über alle Autopilot Funktionen verfügen. Mehr dazu im Artikel zum Vergleich der Autopilot Versionen.

Obwohl AP2/AP2.5 und AP3 in vielerlei Hinsicht besser sind als AP1, bietet Tesla hier nach wie vor keine Verkehrszeichenerkennung. Der Grund dafür wird in einem Patentschutz von MobilEye vermutet, der immer wieder unter Teslafans diskutiert wird. Mittlerweile wurde MobilEye vom Chiphersteller Intel gekauft. Dies ist unter anderem auch der Grund warum bei anderen Herstellern die Geschwindigkeitsschilder Erkennung bereits funktioniert. Sie haben meistens das System von MobilEye lizenziert und verwenden keine eigene Entwicklung. Die im Display angezeigte Geschwindigkeit stammt bei Fahrzeugen mit AP2/AP2.5 und AP3 aus dem Kartenmaterial. Entsprechend oft ist diese angezeigte Geschwindigkeit falsch.

Wann wird die Verkehrszeichenerkennung auch für neuere Fahrzeuge kommen?

Dies lässt sich zurzeit leider nicht bestätigt sagen. Im Fahrzeug Konfigurator auf der Tesla Webseite wurde bereits 2019 monatelang als Termin für Ampel/Stoppschild Erkennung „Bis Ende des Jahres“ angezeigt:

Tesla autonomes Fahren Ende des Jahres

Interessanterweise wurde im Februar 2020 aber die Beschreibung im Kundenkonto auf Tesla.com für einen nachträglichen Kauf von FSD von „Bis Ende des Jahres“ in „kommt demnächst“ geändert:

Tesla Autonomes Fahren demnächst

Hier scheint sich Tesla offenbar zu sehr mit der Ankündigung per Ende 2019 verkalkuliert zu haben. Diese Aussage bezieht sich aber sowieso nur auf Stoppschilder und keine Geschwindigkeitsschilder. In Facebook Gruppen liest man oft, dass Teslakäufern beim Fahrzeugkauf Geschwindigkeitsschilder Erkennung bis Ende 2019 versprochen wurde. Das wurde bisher aber nie schriftlich irgendwo offiziell publiziert. Es war immer nur die Rede von Stoppschild Erkennung.

Bereits im Mai 2019 hatte Elon Musik in einem Interview erklärt, dass alle erforderlichen Teilfunktionen für autonomes Fahren (Full Self-Driving FSD) bis Ende 2019 fertig entwickelt wären. Der im Konfigurator aufgeschaltete Termin passte zum erwähnten Datum. Mit der Aussage „Kommt demnächst“ wurde für diese „Feature complete“ Ankündigung kein fixes Datum mehr bekannt gegeben. In einen Twitter-Post hat Elon Musk im Januar 2020 bestätigt auf die Frage nach dem Termin nur noch mit „bald“ geantwortet.

Man darf wohl davon ausgehen, dass „Feature complete“ FSD auch die Geschwindigkeitsschilder Erkennung beinhaltet. Ohne dies dürfte autonomes Fahren nicht möglich sein. Dies legt den Schluss nahe, dass Tesla definitiv daran arbeitet und wie erwähnt… bald …. etwas in der Art bringen wird. Vielleicht handelt es sich um eine andere Variante, als das von MobilEye verwendete Verfahren. Damit könnte Tesla den Patentschutz umgehen. Kritiker behaupten, dass jegliche Kamera basierte Erkennung bereits gegen das MobilEye Patent verstossen würde.

Was bedeutet „Feature complete“?

Ob der damalige Streit zwischen Tesla und MobilEye hier noch eine zusätzliche Hürde darstellt, lässt sich nur vermuten. Da die Ankündigung mit einem Termin per Ende 2019 bereits seit Mai 2019 im Raum stand, denke ich, nicht dass es jetzt noch weitere Jahre dauern wird. Allerdings sollten Fans ihre Erwartungen dämpfen. Mit „Feature complete“, meint Elon Musk lediglich, dass das Auto eine gewisse Chance hat, ohne Intervention von zu Hause zur Arbeit zu fahren. Das bedeutet aber nicht, dass die Funktionen gut funktionieren. Musk präzisierte weiter, dass die FSD-Software eine Chance „grösser als Null“ bietet, dass Ihr Auto sich erfolgreich von einem Ort zum anderen selbstständig navigieren kann.

Das Original Zitat aus der Investorenkonferenz zum Q4/2019 Quartalsbericht:

”Feature complete just means [the car] has some chance of going from your home to work without intervention. That doesn’t mean the features are working well.” Musk further specified that the FSD software will provide an “above zero” chance that your car can successfully guide itself from one place to another.

Heutzutage ist das nicht möglich, da der Autopilot weder mit Kreiseln noch mit Stoppschildern oder Ampeln umgehen kann. Mit „Feature complete“ soll dies theoretisch möglich sein, ob das Fahrzeug die Situationen auch beherrscht ist eine andere Frage. Durch Weiterentwicklung und Training der neuralen Netzwerke wird aber auch das immer besser werden. Erst dann wird die nächste Hürde zum autonomen Fahren anstehen: die regulatorische Erlaubnis ein solches System ohne Beaufsichtigung durch den Fahrer einzusetzen. Und dieser Entscheid steht nochmals auf einem anderen Blatt und hängt nicht von Tesla, sondern von den Behörden der jeweiligen Länder ab.

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