Tesla macht mit seiner FSD Software für autonomes Fahren in den USA mittlerweile beeindruckende Fortschritte. In Europa gibt es aber in den meisten Ländern nach wie vor nur eine sehr alte Software-Version von Tesla FSD. Sie entspricht mehr oder weniger einem Stand aus dem Jahr 2019.
Eine Ausnahme sind die Niederlande. Dort haben die Behörden tatsächlich im April 2016 „FSD supervised“ zugelassen.
Wer sich schon einmal den aktuellen Stand in YouTube-Videos aus den USA angeschaut hat, wird staunen, was „FSD supervised“ bereits alles kann.
TeslaTobi zeigt mit seinen Videos regelmäßig, was die aktuellen Software-Versionen von FSD können. Er ist Deutscher und lebt in Amerika. Mit seinem Model Y fährt er regelmäßig mit FSD und vergleicht jeweils, wo das System noch Schwächen hat und wo es Veränderungen mit den Updates gab.
- Was ist Tesla FSD "supervised"?
- Wie gut fährt FSD in den Niederlanden?
- Unterscheidet sich FSD "supervised" in Europa zu den USA?
- Haben die EU-Behörden autonomes Fahren nicht bereits bewilligt in ganzen EU bewilligt?
- Und was ist mit der Schweiz?
- Was ist mit den alten Hardware3 Fahrzeugen?
- Sollte man Tesla FSD jetzt schon kaufen?
- Mein Fazit zum Tesla FSD in Europa
Was ist Tesla FSD „supervised“?
Früher nannte Tesla seine Software für autonomes Fahren „FSD Beta“. Mittlerweile wurde es in „FSD supervised“ umbenannt und soll signalisieren, dass das System weiterhin einen Menschen braucht, der es beaufsichtigt (weitere Details zum Funktionsumfang von FSD).
„FSD supervised“ = ständig überwacht durch den Fahrer. So fahren Teslas in den USA. (autonomes Fahren mit Level 2). In Europa nennt sich die Funktion „Full Self-Driving (Überwacht)“.
„FSD unsupervised“ = Fahrer kann sich anderen Dingen widmen und muss nur innerhalb einer bestimmten Zeit übernehmen können (autonomes Fahren mit Level 3). Bis hin zu Level 4 und 5 (Fahrzeug ist komplett ohne Fahrer unterwegs). Diesen Level möchte Tesla in Kalifornien und Texas im Jahr 2025 einführen (falls sie es dann dürfen).

In Europa gibt es die FSD Software ebenfalls zu kaufen. Der Funktionsumfang ist bei uns aber noch stark limitiert. Durch regulatorische Einschränkungen der europäischen Behörden ist FSD in der „supervised“ Variante, wie man sie aus den USA kennt, in Europa bisher in den meisten Ländern nicht zugelassen (der FSD Tracker zeigt den aktuellen Status).
Eine Ausnahme sind die Niederlande, wo FSD seit April 2026 in der aus den USA bekannten „unsupervised“ Version verwendet werden darf. Und die Fahrleistung ist wirklich beeindruckend. Das folgende Video zeigt, wie toll es funktioniert:
Wie gut fährt FSD in den Niederlanden?
Unterscheidet sich FSD „supervised“ in Europa zu den USA?
Die europäische Version von Tesla FSD „Supervised“ unterscheidet sich von der US-Version, vor allem dadurch, dass sie aufgrund strengerer gesetzlicher Vorgaben konservativer fährt.
In Europa ist die Fahrerüberwachung strenger. Die unterschiedlichen Fahrprofile, wie Schnell (Hurry) oder Mad Max, gibt es im Vergleich zu den USA in Europa nicht. Stattdessen lässt sich eine maximale Geschwindigkeit setzen.
„Herbeirufen“ ist nicht verfügbar. Zudem nutzt Tesla für Europa eigene Software-Builds, die separat geprüft werden.
Während FSD in den USA bereits umfassend im Stadtverkehr eingesetzt wird, ist die Nutzung in Europa aktuell eingeschränkt und wird schrittweise ausgebaut.
Haben die EU-Behörden autonomes Fahren nicht bereits bewilligt in ganzen EU bewilligt?
Es ist tatsächlich so, dass es seit 2021 in Deutschland gesetzliche Regeln für autonomes Fahren gibt. Im Mai 2021 haben Bundestag und Bundesrat in Deutschland einem Gesetz zugestimmt. Darin sind alle Anwendungsfälle geregelt.
Streng genommen würde Teslas FSD supervised lediglich unter die Kategorie „Assistiertes Fahren Level 2“ fallen, da der Fahrer nach wie vor ständig den Verkehr überwachen muss.
Dafür verlangen die Behörden, dass die Fahrzeuge eine Bauart-Vorschrift einhalten, die etwa dafür sorgen, dass der Fahrer aufmerksam ist und die Hände am Lenkrad hält.
In letzter Zeit hat man bei Tesla diesbezüglich ebenfalls eine Verschärfung festgestellt, indem etwa plötzlich mittels Innenraum-Kamera die Aufmerksamkeit überwacht wird.
Das dürfte definitiv ein Anzeichen dafür sein, dass Tesla sein FSD supervised endlich flott für Europas Anforderungen machen möchte.
Auf der Basis solcher Bauart-Vorschriften darf zum Beispiel auch Mercedes-Benz sein System für hochautomatisiertes Fahren mit Level 3 betreiben.
Bestimmte Oberklasse-Fahrzeuge von Mercedes dürfen unter ganz bestimmten Voraussetzungen bis 95 km/h sogar ohne Überwachung durch den Fahrer selbstständig auf der Autobahn fahren.
Viele fragen sich, warum Tesla sein FSD nicht auch für hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 lizenziert. Die Fortschritte in den USA zeigen doch ein Fahrverhalten, das diesem Level entspricht.
Tesla verfolgt mit der Entwicklung von FSD einen ganz anderen Ansatz. Sie möchten vermutlich FSD nicht mit den vielen Einschränkungen betreiben, die der europäische Gesetzgeber für Level 3 fordert.
Tesla möchte FSD überall und bei allen Bedingungen autonom fahren lassen. Und das rein „Vision“ basiert, also mit Kameras.
Die Bauart-Vorschriften der Behörden, was Sensoren und Redundanzen angeht, wären zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin zu hoch, sodass die Behörden einen Tesla in der heutigen Hardwareausstattung nicht akzeptieren würden.
Da es Teslas Ziel ist, voll autonomes Fahren mit Level 5 ohne diese ganze Sensoren-Hardware zu können, wäre eine solche eingeschränkte Lizenzierung von Level 3 nur ein störender Umweg in der Entwicklung des Systems.
Und was ist mit der Schweiz?
In der Schweiz sind bisher nur Fahrzeuge bis Stufe 2 zugelassen. Mit der Verordnung über das automatisierte Fahren, die der Bundesrat am 18. Oktober 2023 in die Vernehmlassung geschickt hat, könnten Autos mit Automatisierungssystemen der Stufen 3 und 4 bald auf unseren Straßen fahren.
Der Bundesrat hat das Anliegen im Dezember 2024 abgesegnet. Die revidierte Verordnung tritt ab 1. März 2025 in Kraft.
Da es sich bei FSD supervised um Level 2 handelt, sollte dem ja eigentlich nichts im Wege stehen, oder?
Denn diese Systeme der Hersteller müssen zuerst auch noch entsprechend von den Behörden abgenommen werden. Und bei der revidierten Verordnung sprechen wir von Level 3. Dafür hat Tesla noch keine Abnahme.
Was ist mit den alten Hardware3 Fahrzeugen?
Wie zu erwarten war, betrifft die Zulassung von FSD supervised in den Niederlanden nur Fahrzeuge mit den Autopilot Computer „Hardware 4“. Besitzer von Fahrzeugen mit der älteren Hardware 3 wissen im Moment nicht, was mit ihren Fahrzeugen passiert.
In den USA funktioniert FSD auch auf Fahrzeugen mit HW3. Deshalb hat ein Niederländer die Webseite hw3claim.nl ins Leben gerufen. FSD-Besitzer aus Europa können sich auf der Webseite registrieren. Einerseits erhält man dadurch Updates über den Stand der Dinge. Andererseits kann so mehr Druck auf Tesla ausgeübt werden, denn eine einzelne Person bewirkt wenig. Aber viele Menschen zusammen haben ein größeres Gewicht.
Auch für die Schweiz gibt es ein solches Projekt, das sich aber auf die generelle Einführung von FSD bezieht.
Ich habe mich ebenfalls registriert, denn mein FSD-Kauf stammt vom März 2019.
Sollte man Tesla FSD jetzt schon kaufen?
Wer stark an dieser Funktion interessiert ist, muss sich überlegen, ob er FSD im Abo oder als Einmalzahlung nutzen möchte. Mit der Genehmigung durch die Behörden in den Niederlanden, kann dort FSD jetzt auch im Abo für 99 Dollar pro Monat verwendet werden.
Bisher war nur ein Einmalkauf möglich. Allerdings kann es auch sein, dass es die Möglichkeit zum Einmalkauf irgendwann nicht mehr geben wird.
Andererseits weiß man nicht, wann FSD „supervised“ in anderen Ländern kommt. Es ist daher ein großer Poker, so viel Geld dafür auszugeben.
Mein Fazit zum Tesla FSD in Europa
Ob andere Länder das System anhand der Zulassung in den Niederlanden 1:1 übernehmen, bleibt offen.
Es könnte auch sein, dass die EU selbst Bestimmungen erlässt, die für die ganze EU gelten. Grundsätzlich sind die europäischen Behörden allerdings dafür bekannt, in diesem Bereich nicht so „lasche“ Gesetzgebungen wie die USA zu haben. Mit den Niederlanden hat Tesla aber definitiv „einen Fuss in der Tür“.
Trotzdem: „FSD supervised“ ist nicht Level 5 und vollautonomes Fahren. Es fällt nach wie vor unter Level 2 und muss ständig überwacht werden. Man kann also während der Fahrt mit FSD nichts anderes machen und muss das Fahrzeug und den Verkehr ständig im Blick haben.
Wie weit der Weg für FSD bis Level 5 technisch noch ist, bleibt somit offen. Aber Kameras sind vermutlich der einzige Weg zur Autonomie (auch wenn das viele nicht wahrhaben möchten).
Warum Kameras? Wenn bei Regen, Schnee oder Nebel die Radar/Lidar-Sensoren nicht mehr funktionieren, dann bleibt nur die Kamera. Sie kann dies als Regen/Schnee oder Nebel erkennen und einschätzen.
Der Lidar sieht bei Laub auf der Straße nicht, ob dies Steine sind oder Laub. Daher hat immer die Kamera das letzte Wort. Wozu also die anderen Sensoren, welche ohnehin nur bei schönem Wetter funktionieren? Dann, wenn auch die Kameras gut sehen?
Das führt definitiv nicht zum von uns gewünschten Ziel des autonomen Fahrens.
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