Ist jetzt ein guter Zeitpunkt einen Tesla zu kaufen?

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt einen Tesla zu kaufen?

Sollte man jetzt einen Tesla kaufen oder kommt vielleicht doch bald ein größerer Akku auf den Markt? Gibt es vielleicht sogar eine Preisreduktion oder ändert sich die Ausstattung? Wie geht die technische Entwicklung weiter und was kommt demnächst? Man kann sich nie sicher sein, ob nicht bald neue Funktionen auf den Markt kommen. Tatsächlich kann man so auch Pech haben und kauft zu einem Zeitpunkt kurz bevor die Preise reduziert werden oder kurz bevor technische Verbesserungen an der Fahrzeug „Hardware“ in die Produktion integriert werden. Da es bei Tesla keine Modelljahre gibt, fließen Verbesserungen kontinuierlich in die Produktion ein. Trotzdem gibt es ab und zu größere Anpassungen, die in der Regel unangekündigt sofort in Produktion gehen wie zum Beispiel das Model S Facelift im April 2016. Oder der neue MCU2 Computer für den Betrieb der Bildschirme von Model S und Model X im März 2018.

In diesem Artikel schreibe ich über meine Gedanken zur aktuellen Situation und was demnächst an Neuerungen kommen wird oder vielleicht kommen könnte. Dies kann für eine Kaufentscheidung nützlich sein und bietet gleichzeitig einen Überblick der aktuellen technischen Entwicklung.

 

Der aktuelle Stand im Februar 2020

Tesla’s Schwierigkeiten, die man von der Model 3 Produktion und der „Service Hell“ kannte, scheinen überwunden. Die Nachfrage nach dem Model 3 ist in allen Märkten nach wie vor hoch. Der Aktienkurs kennt seit Ende 2019 keine Grenzen und hat sich innnerhalb weniger Monate vervierfacht. Heute darf man sagen, dass Tesla die Produktion im Griff hat. Seit der Einführung des Model 3 hat sich an den Fahrzeugen bisher konstruktionsbedingt nicht viel geändert, dafür ist das Modell auch schlichtweg erst zu kurz auf dem Markt. Bei Model S und X hingegen sind im Frühjahr 2019 einige Neuerungen mit den Raven Modellen in Produktion gegangen. Abgesehen von den neuen Motoren, der neuen Luftfederung und der standardmäßigen CCS-Unterstützung wurden einige technische Details eingeführt. Ein optisches Facelift gab es aber nicht. Entsprechende Gerüchte dazu wurden von Elon Musk immer wieder dementiert.

Was die Vielfalt an Optionen angeht, hat Tesla das Model S und X in den letzten Jahren massiv vereinfacht. Wo man früher noch zwischen verschiedenen Optionen wie Tech Paket, Schiebedach oder Winterpaket wählen konnte, wurde mit der Zeit alles auf ein Handvoll Varianten wie Farben, Felgen und Reichweite reduziert. Dadurch konnte Tesla die Produktion natürlich weiter vereinfachen und vermutlich so den Ertrag pro Fahrzeug weiter steigern.

Überraschend ist der früher als geplante Produktionsstart des Model Y. Wie Tesla im Bericht zu den Quartalszahlen des Q4/2019 im Januar 2020 mitteilte, hat die Model Y Produktion bereits begonnen und die ersten Fahrzeuge werden im März 2020 in den USA ausgeliefert. Technisch gesehen ist das Model Y dem Model 3 sehr ähnlich. Ist es doch aus Kostengründen wichtig die Produktion so stark wie möglich zu vereinfachen.

 

Was kommt dieses Jahr noch?

Noch im Jahr 2020 ist für das Model S der Plaid Antrieb geplant. Neben größerer Motorenleistung (drei Motoren) und vermutlich besserer Effizienz, wurde auch eine größere Akkukapazität angekündigt. Wie hoch die Kapazität sein wird, ist bisher nicht bekannt. Ebenso bleibt offen, ob weiterhin die bisherigen Batteriezellen im Format 18650 verwendet werden, es einen Wechsel auf das 2170-Format des Model 3 gibt oder es sogar ein ganz neues Zellenformat sein wird.

Wer die FSD Option gekauft hat und ein Fahrzeug mit dem FSD Computer (AP3) besitzt, wird nach und nach zusätzliche Autopilot Funktionen erhalten. Zurzeit schreibt Tesla auf der Webseite:

Bis Ende des Jahres:
Ampel-/Stoppschilder Erkennung mit Anhalte-/Anfahrautomatik
Automatisches Fahren innerorts.
Erweiterte Funktion „Herbeirufen“ — Ihr geparktes Fahrzeug findet Sie auf Parkplätzen und kommt zu Ihnen.

Diese Information war aber bereits im Jahr 2019 auf der Webseite aufgeführt. Man darf solche Termine bei Ankündigungen also nicht allzu genau nehmen. Durch die Weiterentwicklung werden nach und nach aber neue Funktionen ausgeliefert. Dies jeweils zuerst in USA und danach in Europa. Sofern in Europa das OK von Zulassungsbehörden notwendig ist, dauert es manchmal auch etwas länger. Die Behörden in Europa sind diesbezüglich etwas strenger. Mit neuen Funktionen wird FSD vermutlich teurer. FSD gleich mit einem Neuwagen mitzukaufen ist also eine Wette auf die Zukunft und auf Funktionen, die man irgendwann einmal bekommen wird solange man das Fahrzeug hoffentlich noch besitzt.

Neue Batteriezellen: Mit der Übernahme der Firma Maxwell hat Tesla Technologie-KnowHow in der Batterieforschung eingekauft. Früher oder später wird es daher bestimmt einen neuen Zelltyp geben. Technikfans sind bereits auf den Tesla „Battery Day“ gespannt, der voraussichtlich im April statt finden wird. Tesla wird dann hoffentlich einen etwas tieferen Einblick in den Stand der Batterieentwicklung geben und vielleicht sogar die Produktion eines neuen Zelltyps ankündigen.

Ansonsten dreht sich das Jahr 2020 natürlich ganz klar um das Model Y. Es ist notwendig, damit Tesla wächst und weiterhin Gewinne erwirtschaften kann. Für Europa ist der Auslieferungsstart des Model Y für Januar 2021 geplant, das wären dann aber definitiv noch keine Fahrzeuge aus der Gigafactory Berlin. Dort soll die Produktion erst im Sommer 2021 beginnen. Wer weiss, vielleicht verschiebt sich das schlussendlich auch noch nach hinten und Tesla liefert später aus Kostengründen das Model Y in Europa nur aus deutscher Produktion aus. Wir werden sehen.

 

Was kommt mittelfristig?

FSD Computer Nachfolger (AP4?)

Mit dem FSD Computer AP3 (Autopilot Hardware 3) produziert Tesla seit Frühjahr 2019 bereits einen 21x leistungsfähigeren Computer als das Vorgängermodell AP2.5. Trotzdem wurde am Tesla Autonomy Day im April 2019 bereits angekündigt, dass an einem Nachfolger für den FSD Computer gearbeitet wird, der dreimal leistungsfähiger sein soll. Ich denke aber nicht, dass im 2020 noch mit diesem Computer zu rechnen ist. Dafür wäre die angekündigte Leistungssteigerung zu massiv. Wer Tesla schon etwas länger kennt, erinnert sich vielleicht an den AP2 (Oktober 2014) und AP2.5 (August 2017), dessen Leistung aber nicht viel größer als beim AP2 ist. Bis zum Sprung auf AP3 dauerte es dann bis Frühjahr 2019. Dies hatte unter anderem aber auch damit zu tun, dass Tesla den AP3 komplett selbst entwickelt hat und der AP2 ein gekauftes Produkte von Nvidia war. Bisher gibt es keine Informationen dazu, bo bereits dieses oder nächstes Jahr mit dem AP3-Computer Nachfolger zu rechnen ist.

MCU3 Computer

Aktuell scheint der seit März 2018 verbaute MCU2 Computer noch über ausreichend Leistung zu verfügen. Aber ob dies dauerhaft der Fall ist, bleibt zu bezweifeln. Wir kennen es von den Handys und PCs. Über die Jahre fordert neue Software auch leistungsfähigere Hardware. Irgendwann werden Besitzer eines Fahrzeuges mit MCU2 das gleiche Problem haben, wie es derzeit bei den Besitzern der MCU1 der Fall ist. Neue Funktionen, wie zum Beispiel der Wächtermodus, sind dort nicht verfügbar und generell ist die MCU1 viel langsamer in der Bedienung. Es könnte auch sein, dass es irgendwann Apps gibt, die auf der MCU installiert werden können. Dies würde zusätzliche Geräteleistung erfordern. Ob und wann mit einer MCU3 zu rechnen ist, ist bisher nicht bekannt.

Weitere Fahrzeuge

Was die Modellpalette angeht, hat Tesla bereits viele Fahrzeuge angekündigt. Aber der next generation Roadster, der Cybertruck oder der Semi sind mittelfristig gesehen eher noch Zukunftsmusik. In 2020 soll zwar der Semi in einer Kleinserie produziert werden (nachdem der Produktionsstart verschoben wurde), limitierend dürften aber auch hier die Batteriezellen sein. Mit dem Hochfahren der Model 3 und Model Y Produktion werden sehr viele Batteriezellen benötigt. Durch das große Absatzvolumen in diesem Preissegment sind diese Fahrzeuge für Tesla aber essenziell wichtig um weiter wachsen zu können. Der Semi wird hingegen relativ viele Akkuzellen pro Fahrzeug benötigen. Ohne die zusätzlichen Akkuproduktionskapazitäten weiterer Gigafactories dürfte der Semi nicht in größeren Stückzahlen produziert werden. Meines Wissens werden in der Gigafactory Shanghai zurzeit noch keine Akkuzellen produziert. Dies ist aber geplant. Sollte Gigafactory Berlin wirklich im 2021 fertig gebaut sein, könnte sie die Akkuzellenproduktion aber ab 2021 auch unterstützen.

Der Cybertruck Produktionsstart wurde für das vierte Quartal 2021 angekündigt. Offenbar könnte der Cybertruck ein durchschlagender Erfolg für Tesla werden, da er sehr kostengünstig produziert werden kann. Als erste Priorität sehe ich dieses Fahrzeug wegen der kleineren Nachfrage aber eher nicht. Es könnte gut sein, dass der Produktionsstart noch weiter verschoben wird. Die riesige Anzahl Bestellungen kommt unter anderem auch dadurch zustande, dass nur 100 USD angezahlt werden mussten und die Reservation wieder kostenlos storniert werden kann.

Der Roadster wurde ursprünglich für 2020 angekündigt, wurde aber auch auf später verschoben. Verständlich, da die Profitabilität von Tesla doch primär an Model 3 und Model Y hängt. Außerdem dürften die technischen Spezifikationen des Roadsters sehr hoch gegriffen sein. Der angekündigte 200 kWh Akku und der Verkaufspreis ab 200’000 USD wird für eine entsprechende Marge auch einen tiefen Batteriezellenpreis erfordern. Je länger Tesla also damit wartet, desto profitabler kann der Roadster verkauft werden. Außerdem ist er schlicht ein Nischenprodukt und vermutlich deshalb auch nicht erste Priorität. Der Roadster wurde auch als Prämie für das frühere Referral Programm genutzt. Dadurch muss Tesla irgendwann achtzig Roadster als Prämien den betreffenden Kunden kostenlos übergeben. Ein Grund mehr etwas länger damit zu warten.

Die Zellproduktion ist auf jeden Fall essentiell um neue Modelle überhaupt auf den Markt bringen zu können. Nicht umsonst baut Tesla aktuell schon die vierte Gigafactory und es gibt bereits Gerüchte über eine fünfte Fabrik in Texas. Bis neue Batteriezellproduktionen im Vergleich zur heutigen Situation produktiv gehen, glaube ich dass Roadster, Semi und Cybertruck im Moment keine Priorität haben. Die Zellen werden für das Model Y benötigt.

 

Jetzt einen Tesla kaufen oder warten?

Model 3

Es ist bisher nicht bekannt, ob mit dem Produktionsstart des Model Y Neuerungen hinzugefügt werden, die auch in das Model 3 einfließen sollen. Lediglich diese Nachricht über ein versteckt ladendes Model Y schürt Gerüchte, dass etwas an dem Fahrzeug geändert wurde, was im Model 3 bisher nicht bekannt ist. Vielleicht kommt da also doch noch eine Überraschung. Es ist anzunehmen, dass mit dem Produktionsstart der Gigafactory Berlin die Model 3 und Y Preise in Zukunft sinken werden, sobald Fahrzeuge für den europäischen Markt direkt in Europa produziert werden können. Ob der geplante Produktionsstart im Juli 2021 eingehalten werden kann, hängt aber stark davon ab wie schnell Tesla die Gigafactory in Brandenburg trotz allen Umweltauflagen und Problemen bauen kann.

Bezüglich den Akkus könnten am Battery Day im April noch Neuigkeiten kommen. Die übernommene Firma Maxwell wird zurzeit integriert und es wird vielleicht schon bald neue Akku-Produkte mit deren Technologie geben.

Model S und Model X

Beim Model S und Model X dürfte der angekündigte Plaid Antrieb interessant werden. Ich gehe davon aus, dass mit dem neuen Plaid Antrieb auch der Preis für das Fahrzeug steigen wird. Es ist unklar, ob es parallel zur neuen Akkukapazität den alten 100 kWh Akku überhaupt noch geben wird. Das gleiche Vorgehen gab es bereits früher beim Model S. Der kleinere 90 kWh Akku wurde damals aus dem Programm gestrichen und durch den teureren 100 kWh Akku ersetzt. Hier könnte es also durchaus eine Preiserhöhung geben.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass Tesla den „alten“ Model S und X dan noch anbieten wird. Ist der Plaid erstmal da, werden die alten Konfigurationen vermutlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr produziert. Das war bisher bei solchen Umstellungen eigentlich immer so. Wer kurz vorher gekauft hatte, beziehungsweise wessen Fahrzeug schon produziert war, hatte Pech (auch wenn es noch nicht ausgeliefert war). Wer die alte Spezifikation bereits bestellt hatte, aber dessen Fahrzeug noch nicht produziert war, bekam das neue Model zum alten günstigeren Preis und hatte Glück.

Dass in absehbarer Zeit ein Facelift für Model S oder X kommt, halte ich für unwahrscheinlich. Auch Elon Musk hat dies dementiert. Man sollte nicht vergessen, dass Tesla unbedingt weiter profitabel werden muss. Wie Elon Musk ebenfalls auf Twitter mitgeteilt hat, spielen Model S und X für Teslas Zukunft eine untergeordnete Rolle und sind wegen des kleineren Absatzvolumens eher Nischenprodukte. Die Kosten die Modelle komplett zu überarbeiten wären vermutlich sehr hoch. Kleine Änderungen wird es aber immer wieder geben.

Auch für Model S und X könnte es neue Akku Generationen geben. Der 100 kWh Akku im 18650-Format ist bereits seit Jahren die höchste Kapazität im Model S und Model X. Mit der neuen Long-Range Plus Variante scheint sich bereits jetzt etwas zu tun und demnächst soll auch ein 110 kWh Akku kommen.

Fazit

Durchschnittlich nimmt die Effizienz von Tesla’s Fahrzeugen pro Jahr um drei Prozent zu. So könnte man argumentieren, dass man besser mit dem Kaufen eines Tesla ein paar Jahre warten sollte. Aber der technologische Fortschritt bleibt nie stehen, daher bringt das Warten eigentlich nichts.

Denken Sie nur zurück an die ersten Flachbildschirme und Plasma TV. Jedes Jahr kamen neue Modelle, die besser und günstiger waren, auf den Markt. Dies ist in der Entwicklung von Technologie absolut normal und unvermeidbar. Warten auf etwas besseres könnte man immer. Aber zu welchem Preis? Hätte ich vor zweieinhalb Jahren mein Model S nicht gekauft, wäre ich heute bei dieser „elektrischen Revolution“ nicht mit dabei und Sie würden meine Artikel hier nicht lesen. 🙂

Und der Blick auf die Konkurrenz? Meiner Meinung nach bietet zurzeit nur Tesla das stimmige Gesamtpaket aus tollen begeisternden Fahrzeugen mit guter Alltagsreichweite und einem eigenen unkomplizierten Superchargernetzwerk. Ich hoffe, meine Gedanken waren für Ihre Kaufentscheidung hilfreich.

 

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