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Tesla kaufen

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt einen Tesla zu kaufen?

Sollte man jetzt einen Tesla kaufen oder kommt vielleicht doch bald ein größerer Akku auf den Markt? Gibt es vielleicht sogar eine Preisreduktion oder ändert sich die Ausstattung? Wie geht die technische Entwicklung weiter und was kommt demnächst? Man kann sich nie sicher sein, ob nicht bald neue Funktionen auf den Markt kommen. Tatsächlich kann man so auch Pech haben und kauft zu einem Zeitpunkt kurz bevor die Preise reduziert werden oder kurz bevor technische Verbesserungen an der Fahrzeug „Hardware“ in die Produktion integriert werden. Da es bei Tesla keine Modelljahre gibt, fließen Verbesserungen kontinuierlich in die Produktion ein. Trotzdem gibt es ab und zu größere Anpassungen, die in der Regel unangekündigt sofort in Produktion gehen wie zum Beispiel das Model S Facelift im April 2016. Oder der neue MCU2 Computer für den Betrieb der Bildschirme von Model S und Model X im März 2018. Beim Model 3 wurde der Refresh Ende 2020 auch nicht im Voraus angekündigt.

In diesem Artikel schreibe ich über meine Gedanken zur aktuellen Situation und was demnächst an Neuerungen kommen wird oder vielleicht kommen könnte. Dies kann für eine Kaufentscheidung nützlich sein und bietet gleichzeitig einen Überblick der aktuellen technischen Entwicklung.

 

Der aktuelle Stand im Januar 2021

Tesla’s Schwierigkeiten, die man von der Model 3 Produktion und der „Service Hell“ kannte, scheinen überwunden. Die Nachfrage nach dem Model 3 ist in allen Märkten nach wie vor hoch. Beim Model Y aus US Produktion hört man allerdings immer wieder von massiven Qualitätsmängeln, aber das scheint die Käufer nicht zu beirren.

Beim Model 3 darf man sagen, dass Tesla die Produktion im Griff hat. Die Modelle aus chinesischer Produktion sind sogar noch besser verarbeitet als die Fahrzeuge aus USA. Mit dem Refresh Ende 2020 wurden zusätzlich auch noch gewissen Fahrzeugelemente modernisiert.

Bei Model S und X hingegen ist seit Frühjahr 2019 mit den Neuerungen der Raven Modelle bisher nur noch die „Maximale Reichweite Plus“ Variante im Sommer 2020 dazu kommen. Ein optisches Facelift oder einen anderen Innenraum gab es aber nicht. Jetzt im Januar 2021 erhalten endlich auch diese Fahrzeuge die lang erwartete Überarbeitung.

Was die Vielfalt an Optionen angeht, hat Tesla das Model S und X in den letzten Jahren massiv vereinfacht. Wo man früher noch zwischen verschiedenen Optionen wie Tech Paket, Schiebedach oder Winterpaket wählen konnte, wurde mit der Zeit alles auf eine Handvoll Varianten wie Farben, Felgen und Reichweite reduziert. Dadurch konnte Tesla die Produktion natürlich weiter vereinfachen und vermutlich so den Ertrag pro Fahrzeug weiter steigern. Bei Model 3 und Y sieht es ähnlich aus.

Ob das Model Y aus amerikanischer oder chinesischer Produktion auch nach Europa kommen wird, ist bisher nicht bekannt. Vermutlich müssen europäische Käufer noch darauf warten bis die Gigafactory Berlin mit der Produktion des Model Y im Verlauf des Jahres 2021 beginnt.

 

Was kommt dieses Jahr noch?

Wer die FSD Option gekauft hat und ein Fahrzeug mit dem Computer für autonomes Fahren (AP3) besitzt, wird nach und nach zusätzliche Autopilot Funktionen erhalten. Zurzeit schreibt Tesla auf der Webseite:

In naher Zukunft:

  • Automatisches Fahren innerorts.
  • Erweiterte Funktion „Herbeirufen“ — Ihr geparktes Fahrzeug findet Sie auf Parkplätzen und kommt zu Ihnen.

Da diese Neuerung jeweils zuerst in USA und danach erst später in Europa eingeführt werden, ist nicht absehbar, wie lange das noch dauern wird. Sofern in Europa das OK von Zulassungsbehörden notwendig ist, dauert es etwas länger. Die Behörden in Europa sind diesbezüglich etwas strenger.

Mit neuen Funktionen wird FSD vermutlich teurer. In USA mit mittlerweile 10’000 USD teurer als in Europa, die Amerikaner sind diesbezüglich aber auch schon weiter, was man im Video über die FSD Beta gut erkennen kann, da dort auch das automatische Abbiegen bereits funktioniert.

Neue Batteriezellen: Mit der Übernahme der Firma Maxwell hat Tesla Technologie-KnowHow in der Batterieforschung eingekauft. Mit den geplanten 4680-Zellen erreicht Tesla eine höhere Energiedichte und dadurch massiv mehr Reichweite. Durch die spezielle Konstruktion werden diese neuen Zellen zusammen mit Boden und Deckel einen tragenden Teil der Fahrzeugstruktur bilden.

Tesla 4680 Batteriezellen

Zellen im neuen 4680-Format in einem Akkupack. – Bildquelle: MunroLive.com

Ansonsten dreht sich das Jahr 2021 für Europa natürlich ganz klar um das Model Y. Für Europa ist der Produktionsstart des Model Y noch immer für Anfang 2021 geplant, das wären dann aber definitiv noch keine Fahrzeuge aus der Gigafactory Berlin. Dort soll die Produktion erst im Sommer 2021 beginnen. Wer weiß, vielleicht verschiebt sich das schlussendlich auch noch nach hinten und Tesla liefert später aus Kostengründen das Model Y in Europa nur aus deutscher Produktion aus. Wir werden sehen.

Was kommt mittelfristig?

FSD Computer Nachfolger (AP4?)

Mit dem AP3 FSD Computer (nennt sich neu nur noch: „Computer für vollautonomes Fahren“) produziert Tesla seit Frühjahr 2019 bereits einen 21x leistungsfähigeren Computer als das Vorgängermodell AP2.5. Trotzdem wurde am Tesla Autonomy Day im April 2019 bereits angekündigt, dass an einem Nachfolger für den FSD Computer gearbeitet wird, der dreimal leistungsfähiger sein soll. Ich denke aber nicht, dass im 2020 noch mit diesem Computer zu rechnen ist. Dafür wäre die angekündigte Leistungssteigerung zu massiv. Wer Tesla schon etwas länger kennt, erinnert sich vielleicht an den AP2 (Oktober 2014) und AP2.5 (August 2017), dessen Leistung aber nicht viel größer als beim AP2 ist. Bis zum Sprung auf AP3 dauerte es dann bis Frühjahr 2019. Dies hatte unter anderem aber auch damit zu tun, dass Tesla den AP3 komplett selbst entwickelt hat und der AP2 ein gekauftes Produkt von Nvidia war. Bisher gibt es keine Informationen dazu, ob bereits dieses oder nächstes Jahr mit dem AP3-Computer Nachfolger zu rechnen ist. Im Januar 2021 wurde lediglich bekannt, dass Tesla mit Samsung für die Herstellung der notwendigen Prozessoren eine Partnerschaft eingegangen ist.

MCU3 Computer

Zurzeit scheint der seit März 2018 verbaute MCU2 Computer noch über ausreichend Leistung zu verfügen. Aber ob dies dauerhaft der Fall ist, bleibt zu bezweifeln. Wir kennen es von den Handys und PCs. Über die Jahre fordert neue Software auch leistungsfähigere Hardware. Irgendwann werden Besitzer eines Fahrzeuges mit MCU2 das gleiche Problem haben, wie es derzeit bei den Besitzern der MCU1 der Fall ist. Neue Funktionen, wie zum Beispiel der Wächtermodus, sind dort nicht verfügbar und generell ist die MCU1 viel langsamer in der Bedienung. Es könnte auch sein, dass es irgendwann Apps gibt, die auf der MCU installiert werden können. Dies würde zusätzliche Geräteleistung erfordern. Ob und wann mit einer MCU3 zu rechnen ist, ist bisher nicht bekannt.

Weitere Fahrzeuge

Was die Modellpalette angeht, hat Tesla bereits viele Fahrzeuge angekündigt. Aber der next generation Roadster, der Cybertruck oder der Semi sind kurzfristig gesehen noch Zukunftsmusik. Noch im Jahr 2020 hätte der Semi in einer Kleinserie produziert werden sollen (nachdem der Produktionsstart bereits früher verschoben wurde). Mittlerweile ist er für 2021 angekündigt. Mit dem Hochfahren der Model 3 und Model Y Produktion werden sehr viele Batteriezellen benötigt. Ein Semi würde die Batterien für fünf PKWs benötigen. Solange die neuen 4680-Zellen nicht in größeren Stückzahlen produziert werden, wird die Produktion des Semi offenbar nur in einer Kleinserie gestartet, weil die Zellen fehlen.

Der Cybertruck Produktionsstart wurde „mit Glück“ für das vierte Quartal 2021 angekündigt. Offenbar könnte der Cybertruck ein durchschlagender Erfolg für Tesla werden, da er sehr kostengünstig produziert werden kann. Als erste Priorität sehe ich dieses Fahrzeug wegen der kleineren Nachfrage aber eher nicht. Die riesige Anzahl Bestellungen kommt unter anderem auch dadurch zustande, dass nur 100 USD angezahlt werden mussten und die Reservation wieder kostenlos storniert werden kann.

Der Roadster wurde ursprünglich für 2020 angekündigt, wurde aber auch auf später verschoben. Verständlich, da die Profitabilität von Tesla doch primär an Model 3 und Model Y hängt. Außerdem dürften die technischen Spezifikationen des Roadsters sehr hoch gegriffen sein. Der angekündigte 200 kWh Akku und der Verkaufspreis ab 200’000 USD wird für eine entsprechende Marge auch einen tiefen Batteriezellenpreis erfordern. Je länger Tesla also damit wartet, desto profitabler kann der Roadster verkauft werden. Außerdem ist er schlicht ein Nischenprodukt und vermutlich deshalb auch nicht erste Priorität. Der Roadster wurde auch als Prämie für das frühere Referral Programm genutzt. Dadurch muss Tesla irgendwann achtzig Roadster als Prämien den betreffenden Kunden kostenlos übergeben. Ein Grund mehr etwas länger damit zu warten.

Die Zellproduktion ist auf jeden Fall essenziell um neue Modelle überhaupt auf den Markt bringen zu können. Nicht umsonst baut Tesla aktuell schon die vierte Gigafactory in Berlin und eine fünfte Fabrik in Texas. Die aktuell produzierten Zellen werden für das Model Y und Model 3 benötigt. Elon Musk spricht bereits von sogenannten „Terafactories“ und nicht mehr Gigafactories. Nur mit dem neuen 4680-Formfaktor kann die produzierte Akkukpazität ausreichend schnell wachsen.

Tesla Battery Day Skalieren der Akkuproduktion

Präsentationsslide vom Battery Day: Akkuzellen Produktion muss massiv erhöht werden.

Jetzt einen Tesla kaufen oder warten?

Model 3

Mit dem Model 3 Refresh Ende 2020 ist meiner Meinung nach ein guter Zeitpunkt für einen Kauf gekommen. Fehlt so immerhin die Angst, dass man unmittelbar vor einer großen Neuerung noch das alte Modell kauft (was bei Tesla immer wieder passieren kann).

Tesla Model 3 Refresh Facelift 2021 18

Model 3 SR+/LR mit überarbeiteten 18″ Aero-Rädern – Bildquelle: Tesla

Mit dem Produktionsstart der Gigafactory Berlin dürften für Model 3 und Y die Preise in Europa weiter sinken, sobald Fahrzeuge für den europäischen Markt direkt in Europa produziert werden können. Ob der geplante Produktionsstart im Juli 2021 eingehalten werden kann, hängt aber stark davon ab wie schnell Tesla die Gigafactory in Brandenburg trotz allen Umweltauflagen und Problemen fertig  bauen kann.

Wann genau die neuen am „Battery Day“ angekündigten 4680-Batteriezellen in die Massenproduktion einfließen ist noch nicht bekannt.

 

Model S und Model X

Mit dem Model S und Model X Refresh ist auch hier ein guter Zeitpunkt für einen Kauf gekommen. Kann man doch davon ausgehen, dass jetzt für einige Zeit keine größeren Aktualisierungen kommen werden. Ärgerlich ist natürlich der höhere Preis aber das ist bei neuen Modellen eigentlich gängige Praxis. Wer lieber günstiger kauft, muss auf die Zeit vor einem Refresh warten, die ist bei Tesla jetzt zu Beginn des Jahres 2021 aber gerade vorbei.

Tesla Model S Refresh 2021 Rot

2021 Refresh Model S – Bildquelle: Tesla

Mit dem Plaid und Plaid+ Antrieb hat Tesla die Messlatte an Reichweite und Beschleunigung nochmals höher gelegt (aber auch teurer). Der Plaid+ wird vermutlich mit dem neuen 4680-Zelltyp gebaut. Anders wäre diese enorme Reichweite nicht erreichbar.

Für das Refresh Model S und X wird offensichtlich weiterhin der alte 18650-Zelltyp verwendet. Der 100 kWh Akku im 18650-Format ist bereits seit Jahren die höchste Kapazität im Model S und Model X. Auch beim Refresh setzt Tesla weiterhin auf diesen Zelltyp, hat aber offenbar Anpassungen am Kühlsystem gemacht.

Tesla Model S Refresh 2021 Skateboard Anstriebsstrang

Der neue Antriebsstrang mit überarbeiteter Thermoarchitektur – Bildquelle: Tesla

Fazit: Tesla jetzt kaufen! Denn es gibt immer einen Grund zu warten.

Durchschnittlich nimmt die Effizienz von Tesla’s Fahrzeugen pro Jahr um drei Prozent zu. So könnte man argumentieren, dass man besser mit dem Kaufen eines Tesla ein paar Jahre warten sollte. Aber der technologische Fortschritt bleibt nie stehen, daher bringt das Warten eigentlich nichts. Mittlerweile gibt es sogar einen Tipp von Elon Musk, wann der richtige Zeitpunkt zum Kauf eines Tesla ist. 🙂

Ich denke dabei auch an die ersten Flachbildschirme und Plasma TV zurück. Jedes Jahr kamen neue Modelle, die besser und günstiger waren, auf den Markt. Dies ist in der Entwicklung von Technologie absolut normal und unvermeidbar. Warten auf etwas Besseres könnte man immer. Aber zu welchem Preis? Hätte ich vor zweieinhalb Jahren mein Model S nicht gekauft, wäre ich heute bei dieser „elektrischen Revolution“ nicht mit dabei und man würde meine Beiträge hier nicht lesen. 🙂

Und der Blick auf die Konkurrenz? Meiner Meinung nach bietet zurzeit nur Tesla das stimmige Gesamtpaket aus tollen begeisternden Fahrzeugen mit guter Alltagsreichweite und einem eigenen unkomplizierten Supercharger Netzwerk. Ich hoffe, meine Gedanken waren für eine Kaufentscheidung hilfreich.

Du bist Tesla Einsteiger? Eine kurze Übersicht der Tesla Fahrzeuge findest Du hier.

 


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